Bericht über eine Reise in die Sperrzone um Tschernobyl

Vor einer der Touristenattraktionen Kiews startet die Tour in die rund 150km entfernte Sperrzone.

Wir kommen erst verspaetet und muessen die anderen Mitfahrer, insgesamt 22 im geraeumigen Reisebus, noch um ein paar Warteminuten bitten, da eine Mitfahrerin ihren obligatorischen Reisepass nicht dabei hatte. Wir werden die „Diplomatentour“ gezeigt bekommen.

Auf der rund zwei stuendigen Anreise machen wir auch eine kurze Fruehstueckspause. Das Gefuehl zwischen Aufregung und Unbehangen beginnt langsam zu steigen.

Dann kommt auch schon der erste Kontrollpunkt. Die Meldeliste wird mit den Reispaessen der Mitfahrer verglichen. Zugleich wartet eine Fueherin in einem Kleinbus auf uns und beide Fahrzeuge bewegen sich nach einer kurzen Wartezeit nach Tschernobyl.

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Dieses Dorf, nachdem der Kraftwerkskomplex benannt ist, beherbergt eines von zwei Feuerwehren im Sperrgebiet. Ein von den Feuerwehrmaennern selber geschaffenes Denkmal errinnert an den Einsatz der Einheit bei der Katastrophe.

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Das Dorf ist keinesfalls unbewohnt, denn vereinzelt sieht man Menschen oder Autos. Trotzdem herrscht eine ungewoehnliche Stille die im Kontrast der strahlenden Sonne steht.

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Es ist zwar Herbst und ueberall liegt das Laub herum, doch wenn man sich vor Augen fuehrt was nur wenige Kilometer entfernt nur 22 Jahre eher geschah, dann ueberwiegt wieder das Gefuehl, dass man sonst nur beim Fliegen kennt. Dieses Wissen, dass einem eigentlich nichts passieren kann, aber im Endedefekt fuer nix garantiert werden kann. Das mulmige Gefuehl steigt, als der Kernkraftwerkskomplex in mitten weiter Grasslandschaften und kleineren Waeldern zum Vorschein kommt.

Der Bus haellt am Kraftwerkseigenen Museum neben dem Reaktor Nummer eins. Der Reaktor Nummer vier, in dem die Katastrophe 1986 passierte, ist nun nur noch 500m von uns entfernt.

Man legt zwar ueberall Wert darauf, dass die sicherheitsrelevanten Dinge nicht fotohgrafiert werden duerfen, doch man macht sich wegen erhoehter Radioaktivitaet keine Sorgen. Auch sorgen die ueberall angebrachten Geigerzaehler fuer ein besseres Gefuehl – zumindest im Kopf.

Auch die Mitarbeiter zeigen keine emotionale Regung, als sei es das normalste der Welt dort zu arbeiten. Nach dem Museum umfahren wir die vier Reaktoren und der Bus parkt direkt vor dem Besucherzentrum des Katastrophenreaktors.

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Wir steigen aus dem Bus und stehen vor dem riesigen Sarkophag aus Stahl. Man weiss nicht warum, aber man moechte das „Ding“ die ganze Zeit nur anglotzen. Eine Surrealitaet entsteht, denn im Laufe der Zeit gewoehnt man sich an den Anblick.

Irgendwie ist man aber doch froh den Ort, welcher unendlichen Schmerz und Leid verursachte, zu verlassen.

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Wir fahren nun nach Prypjat, die Stadt die einst 48.000 Menschen beherbergte und nun eine riesige Geisterstadt ist. Kurz vor der Stadt ist abermals ein Kontrollpunkt eingerichtet. Ehemalige Hauptstrassen sind zugewuchert, die ehemalige sowjetische Vorzeigestadt ist zum Großteil leer gepluendert und die Zeit hat ueberall deutlich ihre Spuren hinterassen.

Kurz darauf werden wir wieder am Kraftwerkskomplex vorbei zur Kantine des Kraftwerks gefahren. Dort gibt es extra fuer die „Gaeste“ ein 4-Gaenge-Menue mit Nahrungsamitteln, welche extra aus Kiew herangekarrt werden.

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Das Essen ist gut, aber man unterhaelt sich nicht viel – man vergisst nicht, wo man sich befindet. Nach dem Essen wartet nach einem kurzen „Spaziergang“ auch unser Bus wieder auf uns, welcher uns nach fuenf Strunden wieder heraus aus der Zone bringt.

Am letzten Kontrollpunkt werden wir noch durch eine Dekontaminationsschleuse geschickt und kurz darauf befinden wir uns wieder zurueck in unserer Welt.

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