Die Enttäuschung ist vorprogrammiert in der Stiftung Warentest 1984

Commodore 64
© Colin Johnson

In der Oktoberausgabe der Stiftung Warentest vor 26 Jahren wurde auch ein umfangreicher Test der damals den Markt überschwemmenden Heimcomputer, nicht zu verwechseln mit den Personalcomputern, abgedruckt. Allein das Fazit der Zeitung spricht Bände: „Wer auf die elektronische Aufrüstung seines Heimes verzichtet, büßt keine Lebensqualität ein.“ Ich zitiere nun weitere Highlights aus dem Testbericht:

„Das einfachste Speichermedium ist ein Kassettenrecorder – Kostenpunkt ca. 160 DM.“

„Teurer wird es, wenn man die Datensicherung ernsthaft betreiben will. Dann ist ein Diskettenlaufwerk unverzichtbar. […] Für dieses Plus zahlt man jedoch auch kräftig: Etwa 700 Mark kostet ein Diskettenlaufwerk, die Disketten selbst kosten zwischen sieben und 13 DM.“

„Rund tausend DM muß man für einen Drucker anlegen, […]“

„Trotz der insgesamt stolzen Preise für einen Heimcomputer mit Peripherie hält sich die Freude an der Neuanschaffung häufig in Grenzen. Da überlegt man unwillkürlich beim Color Genie, ob die Brille mal wieder nachgeschliffen werden muß: Viele Zeichen auf dem Bildschirm lassen sich nur raten. Ist es ein M oder N, eine 8 oder eine 0?“

„Ganz verwegene Anbieter sprechen sogar von „hochauflösender“ Graphik. Ein Hohn, wenn man die Treppen sieht, die Geraden darstellen sollen, oder anstelle von Kreisen geknickte Eier erhält.“

„Die Farben, die Graphik erst interessant machen, sind ausgerechnet beim Colour Genie (wer hat sich bloß diesen Namen ausgedacht?!) katastrophal. Gelb fehlt völlig, was das Manual weiß nennt, sahen unsere (nicht farbenblinden) Tester blau, Farbflächen sind extrem ungleich! […] Mit den Leistungen von Graphik-Computern, wie man sie aus Wahlberichterstattungen im Fernsehen kennt, hat das allerdings trotzdem nichts zu tun.“

„Alle Tastaturen der Heimcomputer sind für den harten Profi-Einsatz ungeeignet. Aber dafür sind sie auch gar nicht vorgesehen. Die meisten Nutzer werden ohnehin im Zweifinger-System arbeiten. Dafür reicht’s allemal.“

„Sinclair behauptet zwar, die Tastatur sehe ähnlich aus wie bei einer normalen Schreibmaschine. Komische Schreibmaschine, bei der sich die Tasten anfühlen wie Kaugummi (nach dem Kauen), klein, wabbelig und unpräzise.“

„Sinclair fällt wiedereinmal völlig aus dem Rahmen. Der Drucker benötigt spezielles Metallpapier, das unter Lichteinwirkung verblaßt. Das Papier ist nur zehn Zentimeter breit, so ist an das Erstellen von Briefen überhaupt nicht zu denken. Zu allem Überfluß fiel das Gerät nach noch nicht einmal zwei Betriebsstunden total aus. Schon der Händler hatte uns vom Kauf dieses Druckers abgeraten. Er hat ein Lob für gute Beratung verdient.“

„So bietet Dragon einen Ausbau von 32 auf 64 Kilobyte. Durch den Ausbau werden das eingebaute Basic und das Betriebssystem völlig lahmgelegt. Programme können nicht mehr geladen werden. Das Handbuch empfiehlt dazu lapidar, sich ein neues Betriebssystem selbst zu schreiben. Aber wer verrät einem, wie man das macht?“

„Aber Achtung: Denken Sie auch an die weitere Entwicklung! Nach unserem Wissen teilen sich die Anwender von Heimcomputern schnell in zwei Gruppen. Die eine stellt ihn schon bald entnervt beiseite, setzt ihn bestenfalls noch zum Spielen ein. Die andere Gruppe entwickelt sich zu Freaks. Sie tüfteln immer kompliziertere Möglichkeiten aus, […]. Wer also auf dem besten Wege ist, sich der Gruppe der Computerfreaks anzuschließen, sollte ernsthaft überlegen, ob er nicht lieber etwas länger spart und gleich mit einem so genannten Personal Computer beginnt.“

Am Ende wären da noch die fantastischen Veranschaulichungen der Grafikleistungen der Geräte zu erwähnen, die man sich am besten im Link zur Quelle selbst zu Gemüte fügt. Achja, der „gute“ Testsieger Commodore64, genannt Brotkasten (siehe obiges Foto) schaffte es tatsächlich in den 80ern zu einigem Ruhm und ist heute ein begehrtes Sammelstück – unter anderem wegen seinem für damalige Verhältnisse beeindruckenden Soundchip!

Quelle: Atari Computermuseum

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