Stockholm – Riga

Stockholm
Am ersten Morgen in Stockholm macht Israel extra für uns Eierkuchen. Er ist schon ein lustiger Zeitgenosse. Gebürtiger Madrilene, Physikstudent seit vielen Jahren und nun für ein Jahr als Erasmusstudent im kühlen Norden – mit einem Redefluss, der seines Gleichen sucht. Zum Glück konnten wir kein Spanisch, sonst wären wir vermutlich gar nicht mehr zu Wort gekommen. Allerdings profitierten wir sehr von den vielen hilfreichen Tipps, die er uns mit auf unseren Fußweg durch die schwedische Hauptstadt gab.

Trotz 72-Stunden-Ticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel schlenderten wir vormittags zu Fuß vom Tunnelbana-Bahnhof „Tekniska Högskolan“ an Kirchen, Bibliotheken, Konzert- und Kulturhäusern vorbei. Unser Ziel: der Hauptbahnhof („Centralstation“ bzw. „T-Centralen“). Dort buchten wir online das Ticket für die Fährüberfahrt nach Riga am nächsten Tag und erledigten somit bravourös die erste Tagesaufgabe.

An der zweiten scheiterten wir aber kläglich. Ich wollte in einem Burger King zu Mittag essen, doch scheinbar bestand die ganze Innenstadt nur noch aus McDonalds Filialen. Nach mehr als einer Stunde resignierten wir und gingen doch zum einzigen uns bekannten Burger King – dem im Hauptbahnhof, der aber viel zu wenige Sitzgelegenheiten hatte, zurück.

So gestärkt konnten wir uns nun in die historische Altstadt („Gamla Stan“) stürzen und gleich danach ins alternative Viertel namens „Södermalm“ im Süden der Altstadtinsel. Dort gibt es einen Fahrstuhl, den man entweder gegen Bezahlung nutzt oder aber steigt man ein paar Treppen, die etwas versteckt sind, hinauf. Egal welche Variante man bevorzugt, oben angekommen erwartet einen ein schöner Ausblick auf Gamla Stan und die umliegenden Gewässer.

Nach dieser „Kraftanstrengung“ setzten wir uns in ein nettes kleines Cafe an der Hauptgasse in Södermalm. Nach ein paar Tees meldete sich Israel per SMS und wir verabredeten uns zum Schlittschuhlaufen in der Nähe des Olympiastadions von 1912. Leider bemerkten wir erst dort, dass am Sonntagnachmittag keine Ausleihmöglichkeiten mehr vorhanden sind. So blieb das Vergnügen leider bei zwei Freunden Israels, die eigene Schlittschuhe dabei hatten.

Zusammen mit Israel sowie seinen zwei Kommilitonen schrubbten wir zuhause zuerst die Küche und aßen danach zusammen das von ihm gekochte Essen – viel Hühnerfleisch, viele Schinkenwürfel und noch mehr Pilze, dazu Toastbrot und schwedisches Leichtbier.

Am nächsten Morgen stockten wir dann abermals unseren Essenvorrat für die bevorstehende Ostseeüberquerung auf und verabschiedeten uns von Israel nach dem Frühstück. Dann quetschten wir unsere zwei großen Rucksäcke und das Essen in eines der Schließfächer am Hauptbahnhof und nutzten die Zeit bis zum Ablegen am späten Nachmittag für eine weitere Sightseeingtour.

Empfehlenswert ist es, mal in der Altstadt von den ausgetrampelten Touripfaden abzuweichen, da man dort viele kleine Gassen mit alternativen Läden finden kann. Zum Mittagessen fuhren wir wieder zurück in die Stadt, wobei wir diesmal quasi gegenüber vom blauen „Konserthuset“ fündig wurden.

Im Kellergeschoß der „Kungshallen“ hatte ich Glück mit meiner Wahl einer lateinamerikanischen Speise, wohingegen Madlene mit ihrem indischen Essen weniger zufrieden war. Aber für einigermaßen gute Preise wird bei einer großen Auswahl an türkischem, chinesischem, italienischem oder sogar libanesischem Essen, denk ich mal, jeder was Passendes finden.

Ein letztes Mal in Skandinavien gingen wir in ein Café, das „Café Club 60“ in der Sveavägen Straße. Dort gibt es bei sehr gemütlichem Ambiente sehr große Tassen sowie leckeren Kuchen. Nun hieß es Abschied nehmen von Schweden, als wir mit U-Bahn und Bus am Fährterminal ankamen. Dort wartete auch schon die „Silja Festival“ auf uns. Nach dem problemlosen Einchecken, wir waren nahezu die einzigen Gäste zu der Zeit (gute dreiviertel Stunde vor dem Ablegen), wurden wir von brasilianischen Tänzerinnen und Tänzern empfangen. Nach dem Ablegen wurde dann nahezu stündlichen auf die großartigen Möglichkeiten des brasilianischen Abends hingewiesen, inklusive Tanzworkshops und Disco. Also genau das, was man auf einer Ostseefahrt haben möchte…

Wir zogen die Aussichtsplattform am Bug des Schiffes vor und beobachteten wie der Kapitän sich zwischen den unzähligen Inseln bis zum offenen Meer hindurchschlängeln musste.

Der Wecker klingelt und eigentlich sind wir schon in Riga. Pünktlich um 11 Uhr lettischer Zeit legen wir an. Die Rucksäcke werden wieder im Bahnhof verschlossen und wir begeben uns auf eine erste kurze Besichtigunstour durch die winterliche Stadt.

PS: Im Mc Donalds gegenüber vom Hauptbahnhof gibt es kostenloses W-LAN…

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