Metro, Marschrutka und Meinungsverstärker


„Gamardschoba“ heißt im Georgischen Hallo, ein Hallo nach einer Woche in der Landeshauptstadt. Allzu viel Neues, gar eindrucksvolle Fotos gibt es nicht, aber immerhin einen Blick vom Balkon meines momentanen Unterschlupfes im Westen der Stadt (Nutsubidze Plateau III). Bis zur unserer Abfahrt nach Kachetien am kommenden Dienstag komme ich nämlich bei der Familie meines Kaukasiologie-Professors unter. Das hat auch den Vorteil allmorgendlich, also um 10 Uhr, mit ihm gemeinsam zur Uni fahren zu können.

Dort finden dann noch bis zum kommenden Montag – und auch durchgehend am Wochenende (wir sind ja hier nicht zum Spaß, sondern betreiben wissenschaftliche Arbeit…) – die Vorbereitungsseminare für unsere Feldforschungsarbeiten der nächsten Wochen statt – in eben diesem Kachetien (genau genommen soll es in diese Dörfer gehen).

Aufgrund der täglichen Seminare und der unendlichen Zeit die mir hier noch bleiben wird, beschränkt sich meine Lust die Stadt irgendwie zu erkunden auf das minimalste. Da wir aber mit der Gruppe den Museen dieser Stadt und anderen interessanten Einrichtungen, wie die Nationalbibliothek, nach und nach einen Besuch abstatten, sieht man doch einige Seiten der Stadt – bzw. bei den Fußwegen dazwischen.


Die Wirklichkeit ist dann doch etwas ernüchtender als die bunten Werbebildchen – aber sauber und schnell ist die Metro trotzdem!

Und auch das anfangs eher verwirrende Bussystem wird tagtäglich durchsichtiger, die Metro ist bei nur zwei Linien eh ein Kinderspiel. Die Wagen sind zwar technisch die gleichen wie in der ganzen Ex-Sowjetunion (zumindest sehen sie genauso aus und fühlen sich so an wie in den Städten, in denen ich bisher war), aber man spendierte einigen Exemplaren im nationalen Taumel nach der Rosenrevolution einen rot-weißen Anstrich und neue Sitzbänke für drinnen.

Und auch englische Zugansagen wurden mittlerweile angeschafft, für die Busse existiert seit diesem Juli an den meisten Haltestellen in der Innenstadt sogar eine zweisprachige (georgisch/englisch) Anzeigetafel mit den Zeiten und Zielen der Busse. Damit wird dem noch dummen – was die Sprache und das Schriftsystem angeht – Ausländer wenigstens etwas entgegen gekommen. Und auch das Bezahlsystem ist selbsterklärend:

Für 2 Lari Pfand ersteht man eine Chipkarte mit dem wohlklingenden Namen „Metromoney“, die man dann an Automaten oder an den Metrokassen mit beliebigen Beträgen aufladen kann. Die erste Fahrt mit Bus oder U-Bahn kostet dann 50 Tetri (1 Lari = 100 Tetri), eine Folgefahrt kostet dann manchmal 20, manchmal 30 Tetri – keine Ahnung warum, vielleicht liegt es an der Zeitdauer oder dem Verkehrsmittelwechsel. An den Eingängen in die Metroschächte zieht man die Metromoney-Karte über ein Lesegerät um durch eine Passierschranke zu gehen (also quasi genaus so wie bei der Thoska, man kann sie ebenfalls im Portmonee belassen)und im Bus löst man damit ein Ticket. Die Fahrscheinkontrollen sind in den Bussen recht häufig, aber bei den sehr fairen Beträgen und dem sehr benutzerfreundlichen System fährt man doch gerne mit dem ÖPNV.

Das Marschrutka-System dürfte da die weitaus höhere Hürde darstellen – bei hunderten von Linien und nur georgischen Schriftzeichen an klitzekleinen selbstgemalten Schildern hinter der Windschutzscheibe. Und teurer sind die Marschrutkas zum Teil auch, die Alten kosten noch 50 Tetri (alt heißt: immer ein Mercedes-Minibus oder Ford Transit, klapprig, Windschutzscheibe mindestens einmal gebrochen und oft fehlen auch Stoßstange oder andere im georgischen Straßenverkehr vernachlässigbare Bauteile), die Neuen 80 Tetri (neu heißt: wirklich nagelneu, gelb, digitale Anzeige mit der Liniennummer, Klimaanlage und immer ein Ford Transit).

Achja, der Straßenverkehr ist natürlich für Mitteleuropäer oft abenteuerlich, die Hupe wichtiger als das Bremspedal und geblinkt wird nur im Notfall. Dafür muss man aber nur darauf achten, was vor einem passiert, denn hinter einem kommt eh die Sintflut – oder ein Taxifahrer ohne Stoßstange und mit gebrochener Scheibe.



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