Zu Besuch im georgischen Parlament

Das Georgische Parlament
Schon Wochen vorher wurden Listen angelegt, um die Namen derjenigen aufzunehmen, die das georgische Parlament von innen sehen möchten – höchste Sicherheitsbestimmungen für unsere internationale Studentendelegation. Da das georgische Parlament nur an zwei Wochentagen zusammenkommt, konnten wir das Gebäude heute besichtigen.

Angesichts dessen, dass mein Reisepass grade anderweitig unterwegs ist, musste mein seit einem Monat abgelaufener Personalausweis als Identifikationsmittel herhalten. Da sich der Sicherheitsmann lieber für die Funktionstüchtigkeit meiner Kamera interessierte, als für den Plastikschnipsel, war der Einlass kein Problem.

Das eher klobige Gebäude an der Rustaweli Avenue strahlt von innen den gleichen Charme wie von außen aus, aber es doch ganz interessant mal drin gewesen zu sein. Die Stasi-Zentrale in der Normannenstraße habe ich in einem ähnlichen Sowjetschick in Erinnerung: lange Gänge, kahle Wände, wahnsinnig hohe Decken, viele rote Teppiche, Marmor (oder zumindest Steine die sie aussehen).

Zumindest architektonisch wird sich somit einiges ändern, wenn das Parlament im kommenden Jahr nach Kutaissi umzieht. Dafür hat das Alte aber noch Geschichte. Als Zeichen für die Zugehörigkeit Georgiens zur sowjetischen Familie musste 1930 der russische Alexander-Neveli-Gedenk-Tempel dem heutigen Gebäude weichen. Als Erinnerung an die Kirche wurde in einem Untergeschoß des Parlaments eine kleine Kapelle aus Orginalsteinen errichtet. Damit dürfte es wohl das einzige sekuläre Parlament der Welt sein, dass eine solche Institution im Haus integriert hat (oder täusche ich mich?).

Mit einer längeren Unterbrechung durch den Krieg, erstrahlt das Parlament nun bereits seit 1953 in seinem heutigen Glanz – das Gebäude befand sich laut einer Parlamentsbroschüre „unter den Top 10 der architektonischen Bauwerke der ehemaligen Sowjetunion“ (stellt sich die Frage unter welcher Kategorie…). Seit 1991 sind (leider) die kommunistischen Figuren (Mann und Frau, jeweils mit Hammer und Sichel) entfernt. An der Stelle im Plenarsaal wo früher der gute Lenin auf die Volksdeputierten hinterschaute prangt nun zumindest schon seit längerem das georgische Wappen.

Interessant ist auch, dass die Haupttore von innen mit Stahlbalken verschweißt sind – man hat wohl Respekt vor dem Volk und möchte keine zweite Rosenrevolution. Denn 2003 stürmte der jetzige Präsident Saakaschwili samt Gefolge und Rosen das Gebäude und unterbrach im Plenarsaal die Eröffnungsrede des damaligen Präsident Schewardnadses. Der trat aufgrund dessen wenig später zurück und bereitete somit den Weg für den Wechsel.

Das Georgische Parlament
Das Georgische Parlament
Die Delegation vor dem Modell des neuen Parlamentsgebäudes, das sich momentan noch im Bau befindet.

Das Georgische Parlament
Der Plenarsaal

Das Georgische Parlament
Im Plenarsaal, auf jedem Platz zeigen Plaketten die Namen der Politiker, die dort seit 1995 gesessen haben

Das Georgische Parlament
Das Georgische Parlament
Das Georgische Parlament
Die Verfassung, wie sie am 17. Oktober 1995 von den damaligen Parlamentsmitgliedern unterzeichnet wurde.

Das Georgische Parlament
Innenhof

Das Georgische Parlament
Innenhof

Das Georgische Parlament
Damit die Parlamentarier das Gebäude nicht für eine einfache Geldabhebung verlassen müssen, aber die vier größten georgischen Bank einen Automaten im Gebäude aufgestellt. Schön ist auch der USV zwischen den Geräten – offenbar bleibt auch das Parlament vor pötzlichen Stromausfällen nicht verschont.

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