Ein Blick über den Tellerrand

Krasnoyarsk

In guter alter Tradition nutzte ich den unverhofft freien Tag, die Sprachkurse fielen krankheitsbedingt aus, um einmal die nähere Umgebung zu erkunden. Beim umherschweifenden Blick aus dem modernen Wohnheimturm der Sibirischen Föderalen Universität Krasnojarsk (SFU) machte ich schnell das lohnende Ziel der ersten kleinen Wanderung aus: Mehrere Skisprungschanzen auf einem nahe gelegenen Berg. Ich machte mir Hoffnungen, von dort einen guten Überblick über die Stadt am Jenissei zu bekommen. Allerdings wurde der Blick in die weitere Ferne etwas getrübt. Krasnojarsk versteckt sich im Winter unter einem dicken Smogdeckel – dem weltweit zweitgrößten Aluminiumwerk „sei Dank“.

Doch glücklicherweise liegt der Campus der Uni auf einem Hügel am Rand der Stadt und ist umgeben von Wäldern, so dass man größtenteils zumindest von diesem Problem verschont wird. Nachteil: Längere Fahrtzeiten mit dem Bus in die Innenstadt.

Krasnoyarsk

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Im Vordergrund: der Campus der SFU, im Dunst: das Zentrum Krasnojarsks

Die SFU entstand erst im Jahr 2006 aus dem Zusammenschluss mehrerer lokaler Hochschulen. An der Uni sollen laut offiziellen Informationen über 40.000 Studierende immatrikuliert sein. Der Campus ist trotzdem überschaubar, er beinhaltet neben den Lehrgebäuden auch mehrere Sportplätze- und hallen, etliche (teilweise nagelneue oder renovierte) Wohnheime sowie eine große moderne Bibliothek, die angeblich größte Sibiriens.

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Ganz rechts Wohnheim Nr. 25, meine Herberge für die kommenden fünf Monate

Zwar sind die meisten Einrichtungen auf den neuesten Stand, so wurde an herumhängenden Flachbildschirmen nicht gespart. Doch mit zwei (sowjetischen) Reminiszenzen kann auch die SFU aufwarten: Zum einen gibt es eine Garderobe, wo zumindest die einheimischen angehenden Akademiker ihre Jacken abgeben. Zum anderen muss sich beim Betreten der Uni-Gebäude mit einer Studierendenkarte ausgewiesen werden. Dieses Prozedere führt bei mir noch zu einigen Problemen, da ich bisher nur einen vorläufigen Papier-Propusk meines Wohnheimes habe und damit die automatischen Schranken nicht zu öffnen sind. Diese müssen die sichtlich beschäftigungslosen Sicherheitsbediensteten bisher „mühsam“ manuell heben. Erst wenn ich die digitale Version des Ausweises mein Eigen nennen kann, darf ich mich beim Betreten der Gebäude ordnungsgemäß ein- und ausloggen. Schön, dass die Administration somit immer weiß, wie lange ich am studieren oder nächtens unterwegs bin…

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