Buchstaben über der Stadt

Krasnoyarsk
Krasnojarsks Plattenbauten schimmern im Sonnenlicht

Geschafft! Endlich kommt einer der Busse in Richtung Uni-Campus, um mich aus dem Stadtzentrum wieder zurück zu bringen. Doch diesmal ist es eine etwas andere Route. Deshalb passe ich genauer als sonst auf, welchen Weg der Bus nimmt. Dieser muss noch vor einigen Jahren seine Touren in einer deutschen Stadt gemacht haben, darauf weisen die nach wie vor angeklebten Hinweisschilder im Inneren hin. Mein Blick schweift über die im Norden liegenden Berge, die an jeder Kreuzung zwischen den mehrstöckigen Häusern kurz hervorblitzen. Verdutzt nehme ich auf einmal riesige am Hang angebrachte Lettern wahr. In den Farben der russischen Trikolore ergeben sie den Schriftzug „Россия“ (Rossija, Russland).

Ich vermute zuerst, dass die Buchstaben im Zuge der neuesten Patriotismuskampagnen angebracht wurden. Doch ein Blick auf die Satellitenaufnahmen von Google-Maps beweist schnell das Gegenteil, sie müssen dort vor längerer Zeit platziert worden sein. Genau genommen existiert die Lobpreisung auf das Land seit dem 12. Juni 2007. Dieses Datum ist der „Tag Russlands“, denn an diesem Tag wurde 1990 die Unabhängigkeitserklärung der damaligen Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik angenommen, genau ein Jahr später fanden die ersten freien Präsidentschaftswahlen Russlands statt. Seit 1994 ist der „Tag Russlands“ offizieller Feiertag und zugleich Nationalfeiertag. Er wird aber weniger groß gefeiert als beispielsweise der „Tag des Sieges“ am 9. Mai. Dennoch wird der Schriftzug jedes Jahr kurz vor dem Feiertag von Freiwilligen erneuert, zu anderen Anlässen auch gerne mal abgewandelt. Wie im Jahr 2009, als man Russland zum tanzen animieren wollte.

Krasnoyarsk
Blick auf den „Россия“-Schriftzug und die Paraskewa-Kapelle

Durch den Standort auf dem Karaulnaja Berg (Berg der Wache) ist der Schriftzug von weiten Teilen der Innenstadt aus einzusehen (wie sich herausstellte, war er sogar schon – wenn auch sehr klein – auf einem meiner zuvor veröffentlichten Fotos zu sehen) und befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wahrzeichen der Stadt: der kleinen Paraskewa-Kapelle. Das 1845 errichtete Bauwerk ist nicht nur auf dem 10-Rubel-Schein abgebildet (zusammen mit der Kommunalen Brücke über den Jenissei und der Staumauer des Krasnojarsker Stausees), sondern auch täglich um 12 Uhr der Schauplatz eines sehr speziellen Spektakels: Von einer nebenstehenden Kanone (wer es genau wissen will: eine 122-Millimeter-Haubitze von 1938) wird dann ein Donnerschlag in Richtung Rathaus abgeschossen. Was das soll? Fragt mich nicht!

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Die Paraskewa-Kapelle

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Panorama-Sicht von der Kapelle auf die Krasnojarsker Innenstadt

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