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Die ganze Wahrheit

Es gibt Dinge mit denen ich mich partout nicht anfreunden kann, dem FC Bayern zum Beispiel oder Erdbeereis. Oder eben dem studiVZ. Anfangs, so vor zwei Jahren, war dies ja noch ein nettes Gimmick, was neues eben, und von Studenten für Studenten gemacht. Dann wurde es für zig Millionen verscherbelt, Werbung geschaltet und am Ende die Rechte der Nutzer soweit wie möglich zurechtgestutzt.

Das schlimmste ist aber wenn man heutzutage einen anderen Studenten trifft, dann tritt ziemlich oft am Anfang die Frage auf, ob man denn im studiVZ sei „Freunde“ wird und so kommunizieren könne. Ok, früher gab’s noch das persönliche Gespräch, danach das Telefon und für die neueste Generation noch die verschiedensten Instant-Messenger. Aber wer in diesen Zeiten als Student nicht im studiVZ ist, der wird gleich komisch angeguckt – ist ja schliesslich eine Selbstverständlichkei oder wer hat heute keine Handy?

Dabei ist das Ganze nur ein Abklatsch der amerikanischen Version von Facebook. Genauso wie myVideo von YouTube und die Fotocommunity von Flickr. Brauchen die Deutschen für jeden Internetdienst ihren eigenen Scheiss? Meistens ist es eh eine mehr schlecht als recht abgekupferte Lightversion des Originals mit weniger Rechten und beschissener Performance. Ich erinnere nur an die dauernd aufkommenden „Sicherheitsabfragen“ bei studiVZ!

Das wäre vielleicht noch das geringste Problem, doch sperrt sich der „Deutsche“ im Falle von studiVZ selber aus oder will er es vielleicht sogar? „Wir haben hald was eigenes …“. Da ziehe ich dann doch lieber die internationale Variante vor, um mit meinen Freunden in der Welt in Kontakt zu bleiben – denn die sehe ich im Gegensatz zu den studiVZ Leuten nämlich nicht jeden Tag in der Vorlesung.

Aber nun noch ein paar harte Fakten, um euch noch mehr Salz in die lauwarme Suppe zu kippen:

– das studiVZ ist ein rein deutsches Phänomen mit ca. 5 Mio. Mitgliedern
– der französische Ableger hat sage und schreibe 100.000 Mitglieder und dort kräht keine Hahn danach (nahezu alle Studenten sind bei Facebook)
– die Mehrheit der Nutzer sind gar keine Studenten, sondern Mitläufer die dem allgemeinen Trend hinterherlaufen
„Die Nutzergewohnheit “rote Links führen mich im Dienst herum”, greifen wir für Werbetreibende auf, die mit diesen Werbeformen ihre Produkte und Unternehmen vorstellen können.“ – andere würden das Irreführung nennnen oder Schleichwerbung
– Es gibt sog. Edelgruppen, die ausschliesslich der Werbung dienen und gekauft sind, die Studenten sollen also die Versuchkarnickel miemen: „Eine Edelgruppe wird speziell für eine Marke, ein Produkt oder ein Unternehmen gegründet und bietet Kunden die Möglichkeit, in direkten interaktiven Austausch mit den Nutzern zu treten.“ – welcher uninfomierte Nutzer weiss das schon und tappt gleich in eine Falle?
„Durch die Kategorisierung zur Edelgruppe wird sie zu einer der wenigen exklusiven Gruppen unter ca. 2 Mio. sonstigen Gruppen“ & „Nur in den Edelgruppen ist die Einbindung von Links, Bildern und Videos möglich.“ – für die „besseren“ Menschen also – der Nutzer der „Zweite Klasse“ ist geboren (für Werbung tauglich oder nicht)
– Nebenbei: bei Facebook ist das einbinden von sämtlichen Medien Standard, und die Einstellungsmöglichkeiten weitaus größer …
– die Preise für die Platzierung von Werbung beginnen bei 3500€ am Tag, nach oben selbstverständlich offen …
– zielgerichtete Werbeschaltung oder anders gesagt: der gläserne Student: „Targeting bietet eine optimale Zielgruppenansprache für effiziente Werbeauslieferung: Buchbare Kriterien: Alter; Geschlecht; Uni-Standort; Studienbereich

Quelle: studiVZ Basispräsentation

Na dann noch viel Spass beim gruscheln…

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