München – Mostar


Werbung in Mostar für eine Tanzveranstaltung

Ich falle auf. Schon am Münchner Zentralen Omnibusbahnhof (welch schönes Wort) fühle ich mich wie in Bosnien, aber immerhin versteht der Busfahrer, dass ich nach Mostar will und ich verstehe, dass der Bus der richtige zu sein scheint. Drinnen sind zwar nicht alle Plätze besetzt, trotzdem hat wohl jeder Billigflieger mehr Beinfreiheit. Na ‚Halleluja’ für die kommenden 16 Stunden.

Komischerweise ist nach dem ersten Halt in Österreich der vielleicht 15-jährige Sitznachbar ‘verschwunden’ und ich kann es mir ab da an auf zwei Sitzen bequem machen – also es zumindest so gut wie möglich versuchen. Die Fahrt geht erstaunlich schnell voran. Ab und zu fallen mir sogar die Augen zu, dann geht es noch schneller. Erst an der slowenisch-kroatischen Grenze gibt es Stress. Der Grenzbeamte hatte wohl in dieser Nacht noch kein Erfolgserlebnis und braucht somit ein Opfer – mich. Was will schon ein alleinreisender ‘Deutscher’ mitten im Winter in Ex-Jugoslawien? Ich muss also den Bus verlassen, meinen Rucksack aus dem Laderaum des Busses hervorkramen und dem Beamten in sein Kabuff folgen. Immerhin sind die Tische erstaunlich sauber, auf denen ich nun mein Zeug ausbreiten darf. Und hey, der Kroate spricht sogar Englisch!

Jedoch kann ich ihn leider nicht beglücken. Denn weder habe ich Marihuana, noch stangenweise Kippen dabei. Irgendwie scheine ich dann doch nicht so in sein Raster zu passen. So muss ich ihm nur meine Socken, den Kulturbeutel und meinen Laptop zeigen, den er mit „it’s a small one“ kommentiert – toll, danke sehr! Schnell verliert er die Lust an der Kontrolle, so dass ich meinen Kram wieder einpacken und zurück in den Bus darf. Meinen Pass bekomme ich auch glücklicherweise auch wieder. Die ganze Aktion scheint eh etwas sinnfrei, da ich in wenigen Stunden durch Kroatien wieder durch bin und das Land somit eh nix von mir hat – noch nicht.

Die ganze Chose hat immerhin den Vorteil für mich, dass ich meine Trinkflasche mit in den Bus nehmen kann und auch überraschenderweise auf eine Nachricht samt Knoppers in einer Seitentasche stoße – Danke an die Fürsorgliche! Somit ist auch die Verpflegung gesorgt.

Am Grenzübergang nach Bosnien interessiert sich dann der Grenzbeamte die Bohne für den ‘Deutschen’, wobei ich inzwischen schon Bekanntheit erlangt habe und plötzlich der halbe Bus mit mir auf perfektem Deutsch kommuniziert.

Im Zielland angekommen werden wir, mittlerweile ist es früher Morgen, mit Nebel und Schnee begrüßt. Es türmen sich Felswände auf, der Bus schlängelt sich auf Serpentinen die Berge herauf und runter. Je näher wir Mostar kommen, desto weniger Schnee liegt an den Seiten und desto weniger Bäume stehen auf den mittlerweile kahlen Hängen und der endlos wirkenden Landschaft.

Genau am Mittag erreichen wir dann Mostar. Eine schmucke kleine Stadt, in etwa so groß wie Jena. Mostar ist geteilt durch den Fluss Neretva, wobei das westliche Ufer eher kroatisch geprägt ist, dass östliche eher bosniakisch. Diesen Zustand kann man am einfachsten an den Kirchtürmen auf der erstgenannten und den Minaretten auf der zweitgenannten Seite sehen.

Ich campiere auf der ‘islamischen’ Seite (nicht nur weil es die schönere ist), sodass ich, wenn ich in der Dusche stehe, genau auf den Innenhof einer Moschee blicke. Mein Quartier habe ich im Hostel Dino, benannt nach dessen Besitzer, bezogen, welches ich guten Gewissens weiter empfehlen kann. Hostel deswegen, weil sich keine(n) Mostarer Couchsurfer(in) fand, der/die mich aufnahm. Nur Sonia, eine Europäische Freiwillige, erklärte sich bereit, für mich den Tourguide zu spielen. So verabredeten wir uns am Nachmittag vorm Hostel und durchstreiften zusammen die Stadt.

Zu dieser Jahreszeit herrscht fast überall gähnende Leere. Im Gegensatz zum Sommer, wo hier touristentechnisch die Hölle los sein soll, wie mir Sonia erzählt. Das kann ich nachvollziehen, ist doch die Altstadt nach dem Bürgerkreig nahezu komplett saniert worden und demzufolge nun sehr hübsch anzuschauen. Allerdings sind im Rest der Stadt einige zerstörte Gebäude zu sehen. Mir scheint es, dass oft einfach das selbe Gebäude mit gleicher Funktion daneben gesetzt wurde, anstatt das alte abzureißen.Letztendlich beschränken wir unsere Tour aber auf einen kurzen Spaziergang und stillen lieber unseren Hunger mit den hiesigen (fleischlastigen) Köstlichkeiten.

Grade ruft der Muezin von gegenüber zum Gebet und Sonia, die italienische Couchsurferin, zum Biertrinken. Ich muss los!

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