Nein, nein das ist nicht der Kommunismus – oder doch?

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Die Hitze ist erdrückend in der Stadt, der Abend noch ohne Plan. Was liegt näher als gemeinsam in ein Freibad zu gehen. Hilfreich ist, dass einer der zahlreich mitgeführten Reiseführer uns eine solche Freizeitanlage benennen kann. Uhrzeit ausgemacht, getroffen und los geht’s: Eine wackere Sommerschülerin sowie vier Sommerschüler machen sich auf.

Wir laufen in Richtung Kura (auf georgisch Mtkwari), dem Fluss der sich durch die Stadt schlängelt, dann durch eine Unterführung, durch Tankstellen und Autowerkstätten hindurch – immer an einer Stadtautobahn entlang. Wir ernten groteske Blicke, ob unserem so gar nicht hierher passenden Badeoutfits. Doch dann erblicken wir einen Sprungturm. Auch eine dahinter liegende Tribüne wird sichtbar. Es schaut erstaunlich unbenutzt und leer aus. Aber ein kurzer Blick hinein in Richtung des kühlen Blaus des Chlorwassers und das Erkennen einiger Schwimmer macht Hoffnung – unser Ziel, das „Laguna Vere“, hat immerhin offen!

Der erste gefundene Eingang entpuppt sich als Kunstblumengeschäft, der zweite, auf der anderen Seite der Anlage dann aber als Volltreffer. Das Flair einer DDR-Sporthalle 20 Jahre nach der Wende mit hier und da gesetzten Akzenten des Kapitalismus’ – Gucci- oder Nike-Sporttaschen im badeigenen Shop.

Die Eintrittspreise sind selbst für uns „reiche“ Mitteleuropäer hart an der Schmerzgrenze: 15 Lari, also gut 6,50€ (Die durchschnittliche Monatsrente beträgt in Georgien 50 bis 80 Lari). Leider lässt auch das verhandlungssichere Russisch eines der Mitschwimmer die resolute Dame in ihrem Kassierhäuschen nicht für einen Preisnachlass erwärmen. Immerhin bekommen wir eine Art Rabatcoupon mit dem der zweite Eintritt nur noch 10 Lari kosten wird.

Mit der anstandslosen Bezahlungen denken wir, dass wir die größte Hürde überstanden haben, wir erfreuen uns schon an den liebevoll drapierten Aquarien, die etwas Schwarzmeerstimmung in die Betonarena inmitten Tbilissis ausstrahlen soll. Auch bei der Kartenkontrolle sind wir noch guter Hoffnung, können wir doch den einzigen Verweigerungsgrund von uns weisen: „Nur nüchtern wird der Eintritt gestattet“ prangt es in georgischer wie englischer Sprache über dem Einlass. Der nächsten, scheinbar schon auf uns wartenden, Dame zeigen wir die gewünschten Eintrittszettelchen, aber anscheinend reicht das nicht.

Mit harschem Ton fordert sie uns auf, ihr zu folgen. Sie führt uns durch einen Gang zu einem Raum. Drinnen sehen wir durch das große Fenster zwar schon den Pool, den vollständigen Blick verwährt eine Frau in weißem Kittel an einem großen Schreibtisch. Wir sollen auf vier bereitgestellten Stühlen Platz nehmen, ich bleibe stehen, denn wir sind ja zu fünft. So einfach sollte ein Besuch im Freibad nicht ablaufen.

Sie klärt uns auf, dass wir erst einmal einen medizinischen Check durchlaufen müssen. Ein Fingerzeig auf ein Bild an der Wand, was einen Fuß mit Pilz zeigt, macht uns klar, um was es gehen soll – man scheint dann doch auf irgendwie ausländische Badegäste vorbereitet zu sein. Nach und nach müssen wir der Ärztin unsere Beine entgegenstrecken, welche sie mit fachmännischen Blick auf schwimmbadverunreinigende Elemente untersucht. Der Test wird Gott sei Dank von allen bestanden. Als Bestätigung werden wir im Logbuch des Freibads registriert und erhalten unseren ärztlichen Attest (siehe Foto oben). Für drei Monate wird uns nun also der Fußpilztest erspart werden, danach wird das selbe Prozedere wieder auf die Schwimmwilligen draufzukommen.

Nach dem Arztbesuch, geben wir vorschriftsmäßig unsere Bescheinigung bei der Dame von vorhin ab, die vorbildlichen Georgier, so sehen wir, versehen diese noch mit einem Passbild, damit das alles seine Korrektheit hat. In der Umkleidekabine angekommen, müssen wir dann unsere Sachen an einer Garderobe abgeben, wer keine Badelatschen dabei hat bekommt diese – natürlich fußpilzgetestet – für eine Leihgebühr von 2 Lari gestellt.

Die Dame, die uns seit dem Eintritt durch die Katakomben führt, weißt uns nun – als quasi letzte Amtshandlung – noch daraufhin, dass wir erst einmal duschen sollen. Wir gehorchen ihren Befehlen, wollen wir doch eigentlich nur in das große Wasser. Endlich draußen angekommen, trauen wir uns kaum eine der zahlreichen abgetrennten Schwimmbahnen zu besetzen. Zwei Bademeister schauen grimmig, doch wir fallen nicht weiter auf – abgesehen davon, dass wir uns zu fünft eine Bahn teilen, im Gegensatz zu den anderen, in dem jeweils ein Einheimischer unbewegt seine Bahnen zieht. Aber es hat sich gelohnt, denn wir Wagemutigen werden mit einem angenehm temperierten Nass und einem fantastischen Blick auf die umliegenden Hochhäuser belohnt. Und die Fußpilzbestätigung wird vielleicht beim Rückflug noch benötigt, wir werden sehen.

PS: Ich hatte einen Zahlendreher bei der Angabe meiner Mobilfunknummer: +995 599 33 29 64 (nicht 65!)



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