Ein Blick nach Südossetien
A look to South Ossetia

Tskhinvali
Blick von Nikosi auf Zchinwali
View from Nikozi to Tskhinvali

The young marshrutka-driver looks sceptically as we climb into his mini bus at the bus station of Gori. To be sure, he asks if we really want to go to Nikozi. The village, about an hour by car in the north of Stalin’s birthplace, is certainly not a typical tourist destination of western travellers. Because Nikozi is the last village before South Ossetia.
 
Ungläubig schaut uns der junge Marschrutka-Fahrer an, als wir am Busbahnhof von Gori in seinen Minibus steigen. Auf Nummer sicher gehend fragt er, ob wir wirklich nach Nikosi wollen. Das Dorf, rund eine Fahrtstunde im Norden von Stalins Geburtsstadt ist wahrlich kein typisches Ausflugsziel westlicher Reisender. Denn Nikosi befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Südossetien.

Tskhinvali
Blick von Nikosi auf Zchinwali
View from Nikozi to Tskhinvali

At the latest after the August War five years ago, the former autonomous oblast within the Georgian Soviet Socialist Republic is de facto no longer under control of the central government in Tbilisi. The only access to the mountainous region south of the Greater Caucasus is the Roki Tunnel, which connects South Ossetia with its North Caucasian “brother”-republic. Any other official border crossings or a declared border to Georgia does not exist, even if Russian troops have begun to create precedents by building a fence.
 
Der ehemals Autonome Oblast innerhalb der Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik ist spätestens nach dem Augustkrieg vor fünf Jahren de facto nicht mehr unter Kontrolle der Tbilisser Zentralregierung. Der einzige Zugang zur bergigen Region südlich des Großen Kaukasus’ ist der Roki-Tunnel, der Südossetien mit seiner nordkaukasischen „Bruder“-Republik verbindet. Denn offizielle Grenzübergänge oder eine deklarierte Grenze zu Georgien gibt es nicht, auch wenn russische Truppen seit einiger Zeit begonnen haben, mit Hilfe eines Zauns Fakten zu schaffen.
After some time, our bus is so full that some people have to stand in the central corridor. During the journey passengers go on and off: pupils on the way home, babushkas with full bags from the market and also a young soldier on his way to “work”. Shortly before Nikozi, near the disused railway track, we reach a checkpoint of the Georgian police. Next to the street, in a converted bus stop, an officer sits at a desk and is presumably counting the passengers, a second one shortly looks in the bus. One knows and greets each other, the journey continues.
 
Unser Minibus ist bereits nach einiger Zeit so voll, dass einige Menschen im Mittelgang stehen müssen. Während der Fahrt steigen fortwährend Passagiere ein und aus: Schulkinder auf dem Nachhauseweg, Babuschkas mit vollen Taschen vom Markt und auch ein junger Soldat auf dem Weg zur „Arbeit“. Kurz vor Nikosi, in der Nähe der stillgelegten Eisenbahnstrecke, erreichen wir einen Kontrollposten der georgischen Polizei. Direkt an der Straße, in einer umfunktionierten Bushaltestelle, sitzt ein Beamter an einem Schreibtisch und zählt mutmaßlich die Anzahl der Passagiere, ein zweiter schaut nur kurz im Bus nach dem Rechten. Man kennt und grüßt sich. Und schon geht die Fahrt weiter.
But not for a long time, because just a few minutes later we reach our destination. Nikozi is a typical Georgian village: two old churches, a school and the obligatory shop, with its universal range of Barbie dolls to toilet paper to food. After a short break, we make our way to take a look at the South Ossetian capital of Tskhinvali, just a few hundred meters away – and from a safe distance!
 
Allerdings nicht lange, denn unser Ziel ist kurze Zeit später erreicht. Nikosi ist ein typisches georgisches Dorf: zwei schmucke alte Kirchen, eine Schule und der obligatorische Laden, mit seinem universalen Angebot von Barbie-Puppen, über Toilettenpapier bis hin zu Lebensmitteln. Nach kurzer Stärkung machen wir uns auf, um einen Blick auf die nur wenige hundert Meter entfernte südossetische Hauptstadt Zchinwali zu werfen – aus sicherer Distanz!


A – Zchinwali; B – Nikosi
A – Tskhinvali; B – Nikozi

But already after a short walk, and far earlier than we thought, we get to a Georgian checkpoint. By show of his hands, a soldier clearly demonstrate that we should rather take a different path. We just try another direction to an elevated vantage point. But unlike often in Georgia, the landscape is very flat there. After some wandering around, partly through fields, partly through the village, we can see Tskhinvali at least in some distance. Even a South Ossetian Tricolour and some war affected buildings are visible in the no man’s land behind the Georgian outpost. But also some abandoned Georgian houses back in Nikozi catches our eyes.
 
Doch bereits nach kurzem Fußweg, und weit eher als gedacht, stoßen wir auf einen georgischen Kontrollposten. Mit Handzeichen machen die Soldaten deutlich, dass wir lieber einen anderen Weg einschlagen sollten. Wir versuchen einfach in einer anderen Richtung einen erhöhten Aussichtspunkt zu finden, um besser „hinüber“ schauen zu können. Doch anders als sooft in Georgien, ist die Landschaft hier äußerst flach. Nach einigem umherwandern, teils durch Felder, teils durchs Dorf können wir immerhin in einiger Entfernung Zchinwali sehen. Sogar eine südossetische Trikolore sowie einige vom Krieg in Mitleidenschaft gezogene Bauten im Niemandsland hinter dem georgischen Posten sind zu erspähen. Aber auch einige verlassene georgische Häuser fallen uns zurück in Nikosi auf.

Nikozi

Nikozi
Nikosi
Nikozi

But actually, mostly it looks like an ordinary Georgian village, the autumn harvest is gathered, most of the residents are working in their gardens or wander through the village. Everything is as usual when an elderly gentleman with a cart speaks to us and invites us to an (almost) obligatory drink. He leads us to a friend, the women quickly dish up homemade cheese and tomatoes from their garden. Any contradiction is futile, the first Chacha is already in the glass, later on the landlord also presents homemade white wine.
 
Doch eigentlich wirkt das Örtchen wie ein gewöhnliches georgisches Dorf, die herbstliche Ernte wird eingeholt, die meisten Bewohner sind in ihren Gärten beschäftigt oder schlendern durch den Ort. Spätestens als uns ein älterer Herr mit Karren anspricht und uns zum (fast) obligatorischen Trinken einlädt, ist alles wie immer. Er führt uns zu einem Kumpel. Die Frauen tischen schnell selbst gemachten Käse und Tomaten aus dem Garten auf. Jegliche Widerrede ist zwecklos, dann ist auch schon der erste Tschatscha im Glas, später präsentiert uns der Hausherr noch den hausgemachten Weißwein.

Nikozi

Nikozi
Unsere Gastgeber
Our hosts

With each glass, the will of our host rises to persuade the soldiers to let us up a hill behind the post so that we would get a better overview. We think that is not such a good idea, already slightly tipsy we don’t want to provoke any unnecessary trouble. Later on, it cost us far more persistent persuasion to finally leave and not get further filled with delicacies. Because we want to return to Gori in the late afternoon .
 
Mit jedem Glas des Hausgetränks steigt der Wille unseres Gastgebers, die Soldaten zu überreden, uns doch auf einen Hügel hinter den Posten zu lassen, damit wir einen besseren Überblick bekommen würden. Wir halten das aber für eine nicht allzu gute Idee, wollen wir doch nun schon leicht angeheitert keinen unnötigen Ärger provozieren. Später kostet es uns dann weit hartnäckigere Überredungskunst, um gehen zu dürfen und nicht noch weiter mit Köstlichkeiten voll gestopft zu werden. Denn wir wollen am späten Nachmittag wieder zurück nach Gori.
As we once again arrive the checkpoint, our Marschrutka is stopped anew. But this time it should last a bit longer: A policeman demands our passports and then disappears in a nearby building. “Are you journalists”, asks another waiting officer. “No, we are just students, tourists!” Unexpectedly, this response satisfies the policeman and after some further waiting we get our passports back. Everything is all right, they warmly say goodbye and wish a safe journey. To the remaining passengers we apologize for the waiting time, but they react calmly to the whole procedure – we are in Georgia after all.
 
Als wir abermals am Checkpoint vorbeikommen, wird unsere Marschrutka von Neuem gestoppt. Allerdings sollte es diesmal etwas länger dauern: Man verlangt unsere Pässe und verschwindet damit in einem nahen Gebäude. „Sind Sie Journalisten?“, fragt ein anderer wartender Beamter. „Nein, sind wir nicht, nur Studenten, Touristen!“ Unerwartet stellt diese Antwort den Polizisten zufrieden und wir bekommen auch unsere Pässe nach weiterer Wartezeit zurück. Es sei alles in Ordnung, man verabschiedet sich herzlich und wünscht noch eine gute Weiterfahrt. Wir entschuldigen uns ob der Wartezeit bei den restlichen Mitreisenden, doch die nehmen das ganze Prozedere mit Gelassenheit – wir sind ja schließlich in Georgien.



Ein Kommentar

  1. Bracelet Blog  hat geschrieben

    White Wine Glass Kurz 2014

    […] g einen erhöhten Aussichtspunkt zu finden, um besser „hinüber“ schauen zu […]

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