Das russisch-orthodoxe Osterfest

Paskha - Russian-Orthodox Easter

„Bring einen Korkenzieher mit“, schreibt mir Nikita. Gerade noch rechtzeitig, denn wenig später sitze ich schon im Taxi in Richtung Innenstadt. Um elf Uhr abends treffen wir uns vor der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, in Sichtweite zum zentralen Revolutionsplatz, um dort einer der wichtigsten christlichen Feierlichkeiten beizuwohnen: der „Nacht der Nächte“ am Osterwochenende.

Das orthodoxe Ostern, Pascha (ausgesprochen Pas-cha), findet in den meisten Jahren zeitversetzt zum Osterfest der Westkirchen statt. Zwar feiern sowohl die orthodoxen als auch die westlichen Kirchen am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Allerdings wird das Datum nach unterschiedlichen Kalendern bestimmt, denn die Ostkirche hält sich nach wie vor an den alten, um 13 Tage nach hinten verschobenen, julianischen Kalender. Dieser wurde in Russland erst nach der Oktoberrevolution von den Bolschewiki Anfang 1918 abgeschafft. So kommt es, dass der Frühling und damit Ostern später eintrifft, in diesem Jahr eben um eine Woche versetzt.

Zwar ist der Ostersonntag auch in Russland der wichtigste Feiertag, welcher sogar noch prächtiger als Weihnachten zelebriert wird, jedoch versammeln sich bereits am späten Samstagabend die Gläubigen in den Kirchen, um der Auferstehung von Jesus Christus feierlich zu gedenken. Punkt Mitternacht wird dieses Ereignis mit lautem Läuten der Kirchenglocken verkündet. Vom Altar kommend ziehen Priester und Anhänger singend und mit Kreuzen sowie Kerzen vor die Kirche und umrunden diese einmal. Die Messe geht dann unter Umständen bis zum Morgengrauen weiter, die meisten Menschen kommen aber nur für die Zeit der Verkündung der Auferstehung.

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Traditionell: Rotwein und Kulitsch

Bis zum Beginn dieser Hauptzeremonie ist allerdings noch etwas Zeit, sodass nun der mitgebrachte Korkenzieher zum Einsatz kommt. Da der öffentliche Alkoholgenuss in Russland seit einiger Zeit streng unter Strafe steht, verziehen wir uns in einen nahen Hinterhof. Der süße Rotwein, abgefüllt in Tscheljabinsk im Ural, und das russische Osterbrot Kulitsch sind trotz ihrer Symbolik eher zufällig ausgewählt worden: Ersterer war schlicht preiswert zu erstehen und scheint sich deswegen vor allem unter der russischen Jugend einiger Beliebtheit zu erfreuen, der kleine Kuchen war so günstig, das Nikita das Angebot nicht ausgeschlagen konnte. Letztendlich dient aber beides nur dem Zweck, die Zeit bis zu den Feierlichkeiten möglichst erbaulich zu überbrücken.

Paskha - Russian-Orthodox Easter

Paskha - Russian-Orthodox Easter

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