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Durch die Nacht: 21 Stunden Bonn – 19 Stunden Autobahn


[Freitag]
Man fährt nicht einfach so grundlos nach Bonn. Aber für mich war es Grund genug wegen der Libereco-Mitgliederversammlung den weiten und vor allem schwierigen Weg gen Westen auf mich zu nehmen. Schon die Hinfahrt starte mit einer zweistündigen Verzögerung in Jena. Es halten zwar genug Autos an mit denen ich nach Stadtroda, Leipzig oder Österreich hätte mitfahren können, doch erste der neunte “Anhalter” fährt dann auch in die richtige Richtung gen Erfurt. Kurz vor selbigem, in Eichelborn, schnappt mich ein nettes polnisches Ehepaar. Der Mann ist Tierarzt und auf dem Weg von Szczecin nach Darmstadt, um dort ein Röntgengerät für seine Praxis billig zu erstehen – und natürlich auch die Verwandten zu besuchen. So trennen sich unsere Wege kurz vor Gießen, wo der kniffligste Part der Reise darin besteht, die Bundesstraße nach Koblenz zu meistern, um nicht den Bogen über Frankfurt fahren zu müssen.

Wie es der Zufall so will, nahm mich nach einiger Wartezeit ein Jenoptiker mit, der auf der wöchentlichen Heimfahrt ist und mich letztendlich bis Montabaur mitnehmen kann. Nahezu perfekt, denn von dort sollten doch die letzten 80 km bis Bonn kein Problem mehr sein, oder?

Doch weit gefehlt, denn an der Raste scheint ein internationales Autofahrertreffen der Niederländer, Belgier und Luxemburger stattzufinden – und die wollen natürlich alle in eine andere Richtung. Aber nach mehr als einer Stunde erwartet mich der letzte und beste Lift des Tages. Hendrik, Kölscher IT-Techniker und eigentlich auf dem Weg zu seiner wartenden Frau samt Kind, bringt mich bis vor die Haustür meines Hosts. Großes Kino!

Der Aufenthalt in Bonn ist schnell erzählt: leckeres Abendbrot, Wein, Rhein- und Stadtspaziergang, Nachtruhe, leckeres Frühstück, Mitgliederversammlung, jede Menge Input, leckere Pizza.

[Samstag/Sonntag]
Nach der Pizza verabschiede ich mich von den anderen “Liberecos” und mache mich zur vorher herausgesuchten Raststätte bei Siegburg. Für 4,40€ bringt einen die Straßenbahn vom Bonner zum Siegburger Hauptbahnhof. Nach einer gut 25-minütigen Wanderung durch eine typisch westdeutsche Innenstadt gelangt man dann direkt zu dem hinter einer Einfamilienhaussiedlung gelegenen Rasthof. Schon nach kurzer Wartezeit nehmen mich Mutter und Sohn mit. Kurz überlege ich, ob ich mit ihnen bis nach Neustadt/Saale fahre und es von dort gen Norden versuche. Allerdings erscheint mir das ganze als zu großer Umweg, sodass es für uns nur bis zur letzten Raste vor der Abzweigung gen Gießen geht. Ich spekuliere noch auf die kurze Tour über die Bundesstraße wie bei der Hinfahrt. Wieder dauert es länger, man bietet mir zwar Mitfahrgelegenheiten nach Heidelberg oder auch München an, doch erst als es dunkel wird, entscheide ich mich endgültig für den Umweg über Frankfurt – sicher ist sicher und besser fahren als rumstehen.

Zum Glück klappt der Bogen und ich stehe mit einem weiteren Lift schon mal auf der “richtigen” Autobahn Richtung Gießen/Erfurt. Leider scheint die Raststätte eher der letzte Anlaufpunkt zum Alkoholnachschub für alle Frankfurter Partypeople zu sein, also dass dort ernsthaft jemand anhält um zu tanken. Kurz nach zwölf Uhr, klappt es dann unverhoffterweise doch und ein sympathischer Hanseat bringt mich ein großes Stück der Heimat näher. Kurz vorm Kirchheimer Dreieck biegt er aber nach Kassel ab, sodass ich an der einsamten Tankstelle der ganzen Tour lande.

Der türkische Pächter freut sich auf etwas Gesellschaft, entgegnet mir aber gleich, “dass hier in der Nacht von Samstag auf Sonntag nix los ist.” Er soll Recht behalten, kaum ein Auto hält pro Stunde Wartezeit. Irgendwann gegen drei kommt dann meine große Chance: ein Berliner Pritschenwagen mit zwei jungen Burschen. Mit einem Becher Kaffee kann ich die beiden überreden, mich bis nach Jena mitzunehmen (dankensweterweise muss ich beim Pächter auch nur zwei anstatt drei bezahlen – er hatte wohl Mitleid mit mir). Zwar ist es mit Philipp und Andi, zwei Veranstaltungstechnikern auf der Rückfahrt von einer Messe, eng im Führerhaus und auch die Spitzengeschwindigkeit übersteigt selten die 120, aber letztendlich komme ich dann doch noch zu einer akzeptablen Zeit in Jena an. Um 5.00 Uhr zwitschern dort schon die Vögel und auch einige angeheiterte Leute steigen aus der Bahn in Lobeda. Ich bin daheim.

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